ADA MP1 Preamp Mit MC1 MIDI Fußleiste

ADA MP1 – die Preamp-Legende der 80er & 90er

Ende der 80er stiegen Gitarristen reihenweise auf kühlschrankgroße 19″ Racks um. Darin waren Preamps, Effektgeräte und Endstufen aufwändig verkabelt und wurden über MIDI verwaltet und bedient. Eine der beliebtesten Vorverstärker war der MP-1 von A/DA Amplifications, der High Gain Röhrensounds und super cleane Transistor-Sounds (sogar mit Chorus!) bot und diese über MIDI auf 128 Programmplätzen abspeichern konnte. Ich hatte Anfang der 90er so ein Gerät und hab mir neulich einen gepflegten gebrauchten MP-1 mit Fußleiste MC-1 zugelegt. Kann er mit modernen Verstärkern mithalten oder war es nur Sound-Nostalgie?

Paul Gilbert (Mr. Big), Vito Bratta (White Lion), Kirk Hammett (Metallica), Alex Skolnick (Testament), Vernon Reid (Living Colour), Bruce Bouillet (Racer X), Billy Corgan (Smashing Pumpkins) und vor allem Nuno Bettencourt (Extreme) sind nur einige der berühmten Gitarristen, die Ende der 80er und Anfang der 90er den Sound des ADA MP-1 auf ihren Alben verewigten. Michael Wagner, der alleine mehrere meiner All-Time Favorites genialer Hardrock-Alben produzierte, hatte damals viele Gitarristen mit dem ADA im Studio aufgenommen. Seine Lieblingseinstellung für Vito Bratta und Nuno Bettencourt war übrigens diese:

ADA MP1 Michael Wagner Setting

Der MP-1 zeichnete sich vor allem durch seine transparenten High Gain-Sounds und seine umfangreiche Programmierbarkeit aus. Auf 128 Programmplätzen konnte man seine Presets von ultraclean (Transistor Clean) über warmen Marshall ähnlichen Crunch (Tube Clean) bis Hard-Rock und Metal-Vollbedienung verewigen.

Ich hatte für Studio-Aufnahmen meiner Band damals selbst einen ADA MP-1 im Einsatz. Wie viele Gitarristen habe ich dabei die Endstufe meines JCM800 Marshalls über den Effektweg zur Verstärkung benutzt. Über die einfache ADA MC-1 Fußleiste kann man bequem alle Presets aufrufen. Dabei kann die Stromversorgung über ein 7-poliges MIDI-Kabel erfolgen. Dennoch muss das extra Netzteil für das Fußboard am ADA MP-1 oder direkt am Fußboard angeschlossen werden.

ADA MP1 ChorusDer eingebaute Chorus klingt sehr gut und lässt gerade die sehr sauberen Clean-Sounds schön schweben. Perfekt für perlende Single Coil-Sounds. Gain hat der MP-1 natürlich auch erst mal satt – vor allem wenn man vom Marshall kommt. Man muss allerdings aufpassen, dass man es nicht übertreibt mit Overdrive 1 (regelt Verzerrungsgrad) und Overdrive 2 (regelt Sustain/Kompression), sonst fängt man sich Rückkopplungen und erhöhtes Rauschen ein.

Die charakteristischen High-Gain-Sounds des MP-1 glänzen durch eine schöne Transparenz und Trennung der einzelnen Töne. Das kommt bei Akkorden, Legato-Spiel und Sweepings sehr zugute. Gleichzeitig schmatzt die Verzerrung satt und saftig, was den ADA Preamp für Rock und Härteres geradezu prädestiniert. Im Handumdrehen spielt man authentischen 80er Hardrock, dass einem fast eine Spandexhose ans Bein wächst 😉 Das wäre auch heute noch etwas für die Liga Satchel & Co.

Auf der Rückseite lassen sich Effekte einschleifen und der Effektweg per MIDI jedem Preset zuordnen. Standesgemäß nahm man damals ein Rocktron Intellifex, die Königsklasse der 19″ Rack-Effekte für alle denen einen Eventide H3000 zu teuer war.

ADA brachte in den Folgejahren noch überarbeitete Versionen des MP-1 heraus. Das MB-1 war für Bassisten gedacht und so z. B. bei Primus Bassist Les Claypool in Benutzung. Das MP2 bot mehr vielseitigere und verzerrte Sounds, mehr EQ-Einstellungen und ein eingebautes Noise-Gate. Noch später wurde das MP-1 als MP1 Classic wieder aufgelegt, weil die Nachfrage nach dem Original so hoch war. Hier wurde die technische Weiterentwicklung durch ein generell niedrigeres Rauschverhalten spürbar. Außerdem verfügte es über das eingebaute Noise Gate des ADA MP2.

ADA MP1 schrägNachdem die Firma ADA in den 90ern den Betrieb einstellte, wurde es etwas still um die einst so begehrten 19″ Preamps. Soldano und Peavey waren mit ihren Amps begehrter und so entsorgten viele Gitarristen ihre Racks und stiegen wieder auf Topteile um. Die Website adadepot.com ist seit dieser Zeit Anlaufstelle für alle Fragen rund um Produkte. Dort bieten fachkundige Nutzer auch Modifikationen und kleinere Reparaturen an (wie den Wechsel der verlöteten Speicherbatterie).

Seit einigen Jahren gibt es ADA Amplification zum Glück wieder und sie verkaufen sogar Neuauflagen ihrer alten Klassiker, wie den legendären A/DA Flanger. Aktuell bietet ADA mit dem MP-1 Channel ein Pedal mit zwei 12AX7-Röhren, das den Sound des legendären Preamps im kompakten Bodentreter-Format bieten soll. Allerdings ist das mit 459 Euro nicht ganz günstig. Die Alternative bleibt also weiterhin, sich nach gebrauchten MP-1 umzuschauen.

FAZIT
Der ADA MP-1 ist der perfekte Verstärker für authentische Hardrock-Sounds. Mit etwas Geduld findet man gut erhaltene Modelle sogar mit MIDI-Fußleiste. Man bekommt einen Preamp mit hervorragend klarem Röhren-High-Gain und transistor-cleanen Sounds mit herrlichem Chorus.

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